Überschrift: E.ON UMWELTProjekte - Sicherungs-Recycling: Ein sauberer Kreislauf


Bild: gesammelte Sicherungseinsätze

Wie im Haushalt gibt es auch in der Stromversorgung Sicherungen, die das Netz und die Verteilungsanlagen vor Überlastungen schützen. Abhängig von den Spannungsebenen sind sie unterschiedlich gebaut: In Hausanschlusskästen finden NH-Sicherungseinsätze (Niederspannungs-Hochleistung) Verwendung, die den Bereich bis 1.000 Volt abdecken. HH-Sicherungseinsätze (Hochspannungs-Hochleistung) kommen in Umspannwerken und im Mittelspannungsbereich zum Einsatz. Sie sichern Netze von bis zu 36.000 Volt ab. Diese Hochleistungs-Sicherungseinsätze halten zwar sehr lange, aber nach rund 20 Jahren, in erster Linie aber wenn sie nach Störungen abgeschaltet werden, müssen auch sie ersetzt werden. Doch was passiert eigentlich mit den Teilen, die aus wertvollen Rohstoffen wie Kupfer, Stahl und Silber bestehen? Um die Aufbereitung kümmert sich NH/HH-Recycling, ein gemeinnütziger Verein, den E.ON Bayern seit vielen Jahren unterstützt.

„Der verantwortungsvolle Umgang mit Umwelt und Ressourcen ist ein wichtiger Teil unserer Unternehmensphilosophie. Deshalb ist es selbstverständlich, dass sich E.ON Bayern auch engagiert, wenn es um das Recycling von gebrauchten Sicherungen geht", sagt Herbert Wimmer, Abteilung Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Arbeitsmedizin bei E.ON Bayern. Die OBAG (Energieversorgung Ostbayern AG), eines der Vorgängerunternehmen von E.ON Bayern, war der erste Kunde von NH/HH-Recycling. „Damit sind wir quasi Geburtshelfer des Vereins."

 

2.211 Tonnen weniger CO₂

Der Aufwand für das Recycling lohnt sich. So gewinnt man aus einer Tonne Sicherungseinsätzen rund 220 Kilogramm Kupfer und 2,5 Kilogramm Silber. Dafür müssten sonst etwa 100 Tonnen Roherz verarbeitet werden. Durch das Recycling flossen von 1995 bis 2010 um die 409 Tonnen Kupfer und 5,8 Tonnen Silber in den Wertstoffkreislauf zurück und ersparten den Abbau, Transport und die Verarbeitung von rund 250.000 Tonnen Roherz. Ein Plus für die Umwelt, denn der Erz-Abbau ist ein energieaufwendiger Prozess. „So haben wir in dieser Zeit etwa 2.211 Tonnen CO₂-Gase und rund 4,4 Gigawattstunden Energie gespart", rechnet Gerd Fink vor, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Diese Energieeinsparung entspricht dem täglichen Durchschnittsstromverbrauch von etwa 1.500 Haushalten.

Bild: Hochleistungs-Sicherungseinsätze

Starker Partner

Hochleistungs-Sicherungseinsätze fallen überwiegend bei Energieversorgungsunternehmen und der Industrie an. Mit rund 40 Tonnen gebrauchten Hochleistungs-Sicherungen nimmt E.ON im Jahr 2010 als Partner von NH/HH-Recycling bundesweit einen der ersten Plätze bei den Energieversorgern ein. Auf Grund seines großen Versorgungsgebietes trägt allein E.ON Bayern rund 30 Tonnen bei – die mit Abstand größte Menge aller am Recyclingsystem beteiligten Unternehmen der E.ON AG. Dafür wurde E.ON Bayern bereits mehrfach ausgezeichnet.

 

„Deutschland hat mit dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz eines der fortschrittlichsten Abfallgesetze überhaupt. Leider nutzen noch nicht alle Unternehmen unser System. Zurzeit führen wir nur etwa 25 Prozent der jährlich anfallenden Menge an abgeschalteten Sicherungseinsätzen dem Recycling zu. Hier können wir noch deutlich zulegen. Besonders Partnerunternehmen wie E.ON Bayern können hier Vorbild sein", so Gerd Fink. Für die Kunden sind die Rücknahme und das Recycling kostenlos. Bis heute gibt es mehr als 450 Sammelstellen.

Sicherer Umgang mit Problemstoffen

Neben den Rohstoffen Silber und Kupfer enthalten NH/HH-Sicherungseinsätze auch Problemstoffe. So wurde bis 1987 auch Asbest als Dichtungsmaterial verarbeitet. Das bedeutet natürlich bei der Demontage und der Aufbereitung hohe Anforderungen an die Arbeitssicherheit. Das von NH/HH-Recycling entwickelte Verfahren deckt auch diesen Punkt ab – sicher, umweltverträglich und wirtschaftlich.

 

Zentraler Ort für die Aufbereitung der Sicherungen ist Hamburg. Alle Sicherungseinsätze werden in der Kupferhütte "Norddeutsche Affinerie" umgeschmolzen. Bei diesem Prozess entsteht Rohkupfer, das wiederum Silber enthält. Das Silber wird in einem Elektrolyseverfahren getrennt und zu Feinsilber umgesetzt. Auch die Kunststoff-Anteile werden thermisch verwertet. Das in den Einsätzen enthaltene Zink wird in Zinkstaub umgesetzt und herausgefiltert. Die Keramikkörper und der Quarzsand finden nach dem Umschmelzen als Schlacke Verwendung im Straßenbau und in der Betonindustrie. Das Asbest wird als ungefährliche Modifikation in der Schlacke gebunden. Die anfallende Schwefelsäure geht in die chemische Industrie, wo sie weiter verarbeitet wird.

 

Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit

NH/HH-Recycling e. V. finanziert sich aus den Erlösen für Silber und Kupfer, die in den Sicherungseinsätzen enthalten sind. Überschüsse werden gemeinnützig für die Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Technik und Umweltverträglichkeit von Schmelzsicherungen und zugehörigen Schaltgeräten verwendet.

In den letzten Jahren standen spezielle Forschungsprojekte in Vordergrund. Dabei ging es ebenso um praxisnahe Themen, welche für die Anwender einen unmittelbaren Nutzen darstellen können.

Zukünftig soll verstärkt in die Aus- und Weiterbildung von Ingenieuren und Fachkräften investiert und es sollen Forschungsanstalten, Universitäten und Hochschulen gefördert werden, die sich auf dem Gebiet der Elektrotechnik/Energietechnik mit der Thematik Sicherungen beschäftigen.

 

Insgesamt unterstützen über 150 Unternehmen die NH/HH-Recycling e. V. Darunter andere Energieversorger und große Unternehmen wie Siemens oder BMW. Das Konzept, das seit über zehn Jahren in Deutschland funktioniert, macht inzwischen auch im Ausland Schule. Großbritannien und die Benelux-Länder betreiben Recycling von Sicherungseinsätzen mit eigenen Vereinen. Seit der internationalen Sicherungskonferenz in Clermont Ferrand im Herbst 2007 sind auch Slowenien und Polen an einer Übernahme des Konzepts interessiert. NH/HH-Recycling stellt dabei seine Erfahrungen, Kontakte und Lösungswege zur Verfügung.

Bild: Empfang der Urkunde

Ausgezeichnetes Recycling: Gerd Fink vom Verein NH/HH-Recycling (li.) und Herbert Wimmer von E.ON Bayern nehmen die Urkunde zur Teilnahme am „Umweltpaket Bayern“ entgegen.


NH/HH-Recycling wurde bereits dreimal mit Umweltpreisen ausgezeichnet:

1997: Umweltauszeichnung
weltweit 1. Preis in Sonderkategorie, ausgelobt von Siemens

2002: Umweltpreis der Stadt Regensburg

2007: Urkunde zur Teilnahme am „Umweltpakt Bayern“
verliehen im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung. Der Umweltpakt Bayern ist eine Vereinbarung zwischen der Bayerischen Staatsregierung und der Bayerischen Wirtschaft, die sich die vorausschauende Vermeidung künftiger Umweltbelastungen, die Verbesserung der Kommunikation zwischen Wirtschaft und Verwaltung sowie die Entlastung der Betriebe von zuviel Bürokratie zum Ziel gesetzt hat.